JobCenterfreies Leben durch Organspende?

Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender ist ein feiner Mensch – denn er denkt noch an die Schwachen in unserer Gesellschaft

Der gute Mann ist ja auch nicht irgendwer, denn immerhin war er Professor an der Universität Bayreuth. Dort hatte er bis 2007 den Lehrstuhl VWL IV – Wirtschaftstheorie inne. Zudem gilt er als Botschafter der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)“ für das Gesundheitswesen.

Wenn der feine Professor an die Schwachen unserer Gesellschaft denkt, hört sich das so an:

„Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender ist im übrigen auch Mitglied der Bayerischen Bioethik-Kommission. Er ist – wie im SPIEGEL bereits 2004 nachzulesen – auch schon lange Befürworter eines freien Organhandels. Das passt ja.

Ginge es nach dem Willen des Professors, so sollten Menschen, die akut von Armut betroffen sind, ihre Organe spenden, damit sie ihren kargen Lebensunterhalt bestreiten können.

Als halbwegs normal denkender demokratischer Mensch kann man sich bei solchen Vorschlägen eigentlich nur an den Kopf packen. Vielleicht neigt man auch dazu, den Mann als „neoliberalen Spinner“ abzutun und zu glauben, dieses wäre eine extreme Aussenseiterposition. Doch weit gefehlt, denn wie es scheint, gibt es – offensichtlich gerade in den „Armutsverwaltungsbehörden“ – eine ganze Reihe Mitmenschen, die sich eine solche Regelung gut vorstellen können, oder denen der Vorschlag nicht weit genug geht.

Wie einer Pressemeldung des „Erwerbslosen Forum Deutschland“ aus den letzten Tagen zu entnehmen ist, wurde im Internet-Forum „Diskussionsforum der Sozialämter“, das nach eigenen Angaben ausschließlich nur Mitarbeitern der bundesweiten Sozialämter bzw. JobCenter vorbehalten ist, verächtlich und menschenunwürdig über den Vorschlag des Professors diskutiert.

Beispiel gefällig? Dort schrieb beispielsweise ein Arge-Fallmanager: „Blöder Vorschlag. Wäre doch nur Vermögensumwandlung“ und ein Zweiter fand sogar: „Allerdings ist das Vermögen dann verwertbar und überschreitet eventuell die Schonvermögensgrenze. Wenn endlich mal die ‚Lizenz zum Ausschlachten‘ käme, Organfreigabe also wie in manchen Ländern die Regel wäre, müsste man solchen Blödsinn nicht diskutieren“.

Für das Diskussionsforum zeichnete die Stadt Duisburg verantwortlich. Diese sah sich nach der Berichterstattung und Kritik der letzten Tage gezwungen, die Seiten vom Netz zu nehmen. Ausdrücklich entschuldigte sich die Stadt Duisburg wegen der Vorfälle. Das Forum soll demnächst nur noch als geschlossene Diskussionsplattform zur Verfügung gestellt werden. Das heisst dann ja wohl nur, dass die zynischen Meinungsäusserungen zukünftig hinter geschlossenen Türen stattfinden werden!

Wer sich noch an der Diskussion über diesen Vorfall beteiligen will, kann das im Forum des „Erwerbslosen Forum Deutschland“ tun.

Insgesamt passt dieser Vorgang in das sich immer deutlicher abzeichnende Bild, dass die Diskriminierung und Herabwürdigung von Hartz4-Beziehern stetig „gesellschaftsfähiger“ wird! Und das insbesondere bei denen, die von Amts wegen täglich damit befasst sind!

16.1.2009/henry

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7 Responses to JobCenterfreies Leben durch Organspende?

  1. Susanne Kreuzer says:

    Menschenrecht für alle? Oder nur für „Privilegierte“?

    Ich frage mich, in welchem Land ich lebe, wo laut überlegt werden kann, Staatsbürgern das Wahlrecht zu entziehen, sie zur Rattenjagd zu schicken und zum Organspenden zu verpflichten. Mittlerweile leben in Deutschland 8 Millionen Staatsbürger im Armutsghetto. Ich bin froh, nicht den „Privilegierten“ anzugehören, sondern erkläre mich mit 8 Millionen Armen solidarisch.

  2. Volker Stewin says:

    Sehr geehrter Herr Professor Oberender,

    Bezug nehmend auf Ihre Äußerungen in einem Radiointerview (Deutschlandradio Berlin / Kultur), möchte ich darauf hinweisen, daß sich hieraus völlig neue Denk- und Sparmodelle für den Staat ergeben.

    Ist der Organhandel erst einmal freigegeben, bedarf es einer gesetzlichen Regelung, ab wann welcher Hartz4 Empfänger im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht zu welchem Zeitpunkt seines Hartz4 Bezuges zu welcher Organspende zu verpflichten ist.

    Gibt es eventuell schon eine Preisliste, welche Organe, bzw. Teilorgane, welchen Erlös einbringen?

    Wie viele Jahre könnte ich als Hartz4 Empfänger von dem Erlös einer meiner Nieren leben?

    Hat der Spender das Recht über den Erlös nach seinem Gutdünken zu verfügen?

    Oder soll der Erlös in Raten auf Hartz4 Niveau an den Spender fließen?

    Könnte es Sinn machen, auf Grund des schrumpfenden Arbeitsmarktes, auch 20 jährige Hartz4 Empfänger schon zur Organspende heranzuziehen?

    Ab welchem Spendenvolumen beginnt die Lebenserwartung erheblich zu sinken?
    Wie viele Rentengelder könnten hierdurch eingespart werden?

    Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, über Verlosung oder Lotterie oder Auktionshäusern den Erlös der Organspende zu maximieren.

    Als langzeitarbeitsloser Hartz4 Empfänger verfüge ich über ein gut ausgebildetes, gut erhaltenes und in den letzten Jahren kaum genutztes Gehirn. Dieses möchte ich Ihnen spontan als Spende zur Verfügung stellen, da Sie es offensichtlich dringend benötigen.

    Mit HERZ-lichen Grüßen
    Ihr Volker Stewin

  3. Marion Schuwald says:

    Die Idee des Herrn Professors sollte man auch von der positiven Seite betrachten.
    Wenn man beispielsweise für eine Nierenspende 10.000 € erhält, kann man sich entweder das Geld in einer Summe auszahlen lassen und als sogenanntes Schonvermögen zinsbringend anlegen. Dies ginge allerdings nur, wenn man zum Zeitpunkt der Spende mindestens 50 Jahre als ist. Dabei sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Zinsen zum einen versteuert werden müssen und als Zusatzeinkommen beim JobCenter angerechnet werden. Zu beachten wäre dann, dass die Hinzuverdienstgrenze von 100 € monatlich nicht überschritten wird.
    Eine andere Variante wäre die Auszahlung des Geldes auf 400-€-Basis. Dadurch würden die Steuern entfallen. Allerdings würde dem Spender nach Abzug dessen, was das JobCenter daran verdient, für ziemlich genau 25 Monate 165 € monatlich verbleiben.
    Bei beiden Varianten sollte man vorab seine Lebenserwartung nach der Organspende abschätzen lassen, damit man auch noch in den Genuss kommt, das Geld auszugeben.

  4. Name ist unwichtig! says:

    Gröööööl… ja klar !!!!
    Und das Geld was man für die Organspende bekommt, wird dann noch von der Hartz4 Leistung abgezogen.

    Denkt dieser Mensch überhaupt mal nach???
    Nen Organ von sich spenden um nicht mehr von Harz4 leben zu müssen .
    Jo … man verkauft ne Niere und hat dann selbst nur noch eine . und wenn man dann selbst mal krank ist, darf man dann hoffen, daß man irgendwann wieder ne Niere zurückbekomt. weil die eigene ist ja verkauft!
    Gehts noch????

  5. Ritter says:

    Hallo, vor einem Jahr sagte ein alter Herr,als wir im Warteraum der ARGE saßen: Wir können froh sein, das die Nazis gestern waren-ansonsten wären wir heute die neuen Juden. Damals habe ich diese Äußerung für unangebracht gehalten-heute weis ich ,dass es noch immer Menschen gibt, die aus der Vergangeheit nichts gelernt haben. In Deutschland wird selbst heute noch die Menschenverachtung gesellschaftsfähig gemacht-wieviele Schritte trennen uns denn noch vom Nazionalsozialismus? Solche Professoren müsste der Titel aberkannt werden . Ob man die dann noch vermitteln könnte?Wieso werden Menschen verachtet, die keine Arbeit mehr finden?-weil man für die bezahlen muss-schöne satte Kohle,welche sich unsere „Eliten“ untereinander aufteilen könnten“ Da könnte man die Steuern für die Superreichen weiter senken. Für unsere Milliardäre sind Menschen nichts mehr wert, wenn man diese nicht mehr ausbeuten kann.Wobei unsere Industriebosse und Wissenschaftler das Problem Arbeitslosigkeit selber geschafffen haben. Eine fast vollautomatische Industrieproduktion setzt nun mal Arbeitskräfte frei. Die Finanzkrise,auch von diesen Eliten geschaffen, leistet ein Übriges-oder haben das auch die Arbeitslosen verbockt?Unsere sogenannten Eliten suchen für ihr eigenes Versagen einen schwarzen Peter da kommen die Hartz 4 Empfänger gerade recht.

  6. Ritter says:

    Hallo, ich muss noch etwas zu den bekanntgewordenen Äußerungen von Fallmanagern der ARGE sagen: Wenn das stimmt ,dass einige dieser Leut so über ihre zu vermittelnden Kunden denken, dann muss ich hier mal was verdeutlich : Viele von den ARGE Mitarbeitern würden in der freien Wirtschaft Probleme haben nicjht selbst in kürzester Zeit arbeitslos zu werden. Ein privater Arbeitsbvermittler würde verhungern, wenn er die Vermittlungserfolge eines ARGER Vermittlers hätte. Oder ich denke an die vielen fehlerhaften Bescheide, die jedes Jahr reklamiert werden müssen. Ein Unternehmer hätte solche Bürokräfte schlicht und ergreifend gefeuert. Wer selber nur vom Geld der Steuerzahler lebt, sollte wirklich mehr die Würde anderer Menschen achten.

  7. Peter Beucher says:

    Vom Nutzvieh zum Schlachtvieh , so kann man es fast schon sagen.
    Auch ich habe von der Krankenkasse einen Brief bekommen
    mit dem Vorschlag Organe zu spenden.
    Also ich gebe im Falle meines Todes kostenlos Organe ab und sie werden teuer weiter verkauft.
    Sicher bekommt sie kein Mensch der arm ist ,sonder eher die Menschen die Privat versichert sind. Wenn sie dann noch einen Briefumschlag mit Scheinen dazu geben werden diese sicher bevorzugt behandelt.
    Es hat ja schon einige sogenannte Unregelmässigkeiten gegeben.
    Bevor ein solcher Mensch ,vielleicht sogar ein Arbeitgeber meine Leber bekommt versaufe ich sie lieber selber .
    Oder ich lasse mich komplett als Hunde- oder Katzenfutter verarbeiten.

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