Langzeitarbeitslosigkeit in NRW steigt!

LangzeitarbeitslosigkeitLangzeitarbeitslosigkeit in NRW – Neuer Report dazu

Die Wohlfahrtsverbände in NRW legen erstmals ihren Arbeitslosenreport NRW vor. Er enthält Zahlen und Fakten, die die Misere bei der Betreuung von Erwerbslosen in NRW durch die Politik, die Bundesagentur für Arbeit und JobCenter anschaulich vor die Augen führt. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW ist ein Zusammenschluss der NRW-Landesverbände der AWO, der Caritas, des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, des DRK, der Diakonie und den Jüdischen Gemeinden. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW hat uns dankenswerterweise die Genehmigung erteilt, ihre Pressemitteilung dazu unverändert zu übernehmen.

Langzeitarbeitslosigkeit in NRW – Die traurige Wahrheit

Langzeitarbeitslosigkeit in NRW steigt!
Wohlfahrtsverbände legen erstmals „Arbeitslosenreport NRW“ vor

Wuppertal / Düsseldorf, 20.11.2013. Die Wohlfahrtsverbände sind alarmiert: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Nordrhein-Westfalen nimmt stark zu. Sie ist in den vergangenen vier Jahren um 25 Prozent gestiegen – auf aktuell mehr als 320.000 Menschen. Das geht aus dem „Arbeitslosenreport NRW“ hervor, den die Verbände jetzt zusammen mit dem Arbeitsmarktforscher Prof. Stefan Sell erstmals veröffentlicht haben. Vom Land fordern die Verbände, die Möglichkeiten für öffentlich geförderte Beschäftigung auszubauen.

Langzeitarbeitslosigkeit – Die Politik zeigt sich ignorant

„Die offizielle Berichterstattung blendet beunruhigende Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt systematisch aus“, sagt Hermann Zaum, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW. So ist beispielsweise die Zahl der Langzeitarbeitslosen zuletzt drastisch gestiegen: In NRW sind heute 65.000 mehr Menschen langzeitarbeitslos als noch vor vier Jahren. Zaum: „Allen Jubelmeldungen zum Trotz gehen die vermeintlich oder tatsächlich positiven Arbeitsmarkt-Trends an einigen Personengruppen komplett vorbei. Anstatt sich dieser Problematik zu stellen, konzentrieren sich Politik und auch viele Jobcenter auf die leichter zu vermittelnden Fälle. Das ist ein Skandal und Zeichen arbeitsmarktpolitischer Ignoranz!“

Langzeitarbeitslosigkeit – Ein Zweiklassensystem

Diese Einschätzung teilt auch der Arbeitsmarktforscher Prof. Stefan Sell: „Wir erleben derzeit, wie sich ein Zweiklassen-System der Arbeitslosigkeit entwickelt. Einerseits sinkt die Zahl der Arbeitslosen, die Arbeitslosengeld I beziehen. Andererseits stecken inzwischen fast drei Viertel aller Arbeitslosen im Hartz IV-System fest. Das sind immerhin über eine halbe Million Menschen in NRW.“

Langzeitarbeitslosigkeit – Forderung nach mehr Förderung

Arbeit zu haben ist nach Auffassung der Wohlfahrtsverbände eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Dass Hunderttausenden diese Teilhabe vorenthalten wird, wollen die Verbände nicht hinnehmen. All jene, die kurzfristig kaum eine Chance auf einen regulären Job haben, brauchen passgenaue und verlässliche Förderangebote. Angebote, bei denen die Politik in den vergangenen Jahren jedoch konsequent den Rotstift angesetzt hat. „Um Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist es mit einer einmaligen Qualifizierung oder gar einem Bewerbungstraining nicht getan. Für sie brauchen wir mehrjährige Konzepte und öffentlich geförderte Beschäftigung“, so Zaum.

Die Wohlfahrtsverbände NRW fordern die neue Bundesregierung auf, die Mittelkürzungen für  entsprechende Förderangebote der Bundesagentur für Arbeit zurückzunehmen. Doch nicht nur den Bund sehen die Verbände in der Pflicht. Zaum: „Die rot-grüne Landesregierung hat die Bedeutung von öffentlich geförderter Beschäftigung, also eines Sozialen Arbeitsmarktes, in ihrem Koalitionsvertrag hervorgehoben. Nun ist es an der Zeit, dass sie mehr dafür tut!“

Hintergrund:

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen künftig einmal pro Quartal den „Arbeitslosenreport NRW“. Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen für Nordrhein-Westfalen; Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und SBG II-Hilfequoten, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit örtlichen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden.

Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarkt-Berichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten.

Langzeitarbeitslosigkeit in Essen

Auch in Essen ist laut den Daten des Berichtes die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich gestiegen. Zwar sind diese Zahlen nur vorläufig. Sollten sie sich letztendlich jedoch als richtig erweisen, so muss man von einem Armutszeugnis sprechen. Das sich unser allseits so beliebter Sozialdezernent Herr Peter Renzel selber ausgestellt hat. Denn den deutlichsten Sprung nach oben gab es in den letzten vier Jahren erst ab 2012. Also nach Umstellung des JobCenters Essen auf eine Optionskommune. Und eine der treibenden Kräfte für die Umstellung war nun einmal Herr Renzel. Sobald die endgültigen Zahlen vorliegen, werden wir gesondert darüber berichten.

Hier nun die vorläufigen Zahlen zur Langzeitarbeitslosigkeit (Anzahl der Personen) in Essen:

Okt. 2009

Okt. 2010

Okt. 2011

Okt. 2012

Okt. 2013

13.805

13.854

14.667

16.309

16.665

Wie man sieht, war von 2011 auf 2012 die Steigerung besonders drastisch. Das steht letzten Endes einfach nur für das Versagen des durch die Stadt Essen in Eigenregie geführten JobCenters. Und seit der Umstellung auf die Optionskommune reden wir über knapp 2.000 langzeitarbeitslose Menschen mehr. Das ist der Wahnsinn und mit Worten kaum zu beschreiben.

Auch beim Anteil der Leistungsberechtigten im Rechtskreis SGB II, also Hartz 4, sehen die Zahlen sehr dramatisch aus. Im Jahr 2010 betrug ihr Anteil an allen Erwerbslosen hier in Essen 79%, im Jahr 2011 81% und 2012 82%. Die Zahlen für 2013 liegen leider noch nicht vor.

Darüber hinaus betrug der Anteil der Leistungsberechtigten nach dem SGB II, die im Jahr 2012 hier in Essen länger als 4 Jahre im Grundsicherungsbezug gefangen waren, 54,55%.

Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität.

Alfred Hitchcock

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