Energiearmut – Wohin treibt sie uns noch?

EnergiearmutEnergiearmut – Ein Thema das uns immer mehr trifft

Die vergangenen Tage tickerte es durch die Nachrichten. Die EEG-Umlage steigt ab kommendem Jahr auf 6,240 Cent pro kWh.

Dies gaben die vier deutschen Stromnetzbetreiber am 15. Oktober mittels einer Pressemitteilung bekannt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Steigerung um 20%. In Zahlen um 0,963 Cent je Kilowattstunde.

Energiearmut- Auch Dank der EEG-Umlage

Ein durchschnittlicher Privathaushalt muss deshalb bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden ab kommendem Jahr mit einer monatlichen Mehrbelastung von rund 3,30 € rechnen.

Sogar die Bundesregierung sah sich genötigt, dazu Stellung zu nehmen. Hierbei ist es ihr mal wieder gelungen, alles in schönen Worten darzustellen. Man ist gut beraten, die in dieser Mitteilung getroffenen Aussagen nicht allzu Ernst zu nehmen. Denn in der politischen Realität werden viele dieser vollmundigen Ankündigungen auf der Strecke bleiben. Genauso wie ca. 6,5 Millionen SGB II-Leistungsberechtigte, die es heuer in der BRD gibt. Dazu kommen dann noch alle im Niedriglohnsektor Beschäftigten. Diese beiden Gruppen wird die gestiegene EEG-Umlage besonders hart treffen. Und dazu führen, dass die Energiearmut noch weiter zunehmen wird.

Energiearmut – Dank dem Regelsatz vorprogrammiert

Der Einfachheit halber wollen wir anhand eines Singles im SGB II-Leistungsbezug einmal darstellen, was da auf ihn zukommt. Laut den verfügbaren statistischen Daten hat ein Single-Haushalt in der BRD einen durchschnittlichen jährlichen Verbrauch von 1.800 Kilowattstunden. Auf der Grundlage der erhöhten Umlage kommen somit jährliche Gesamtkosten in Höhe von 112,32 € auf diesen für die EEG-Umlage zu. Monatlich also 9,36 €. Bisher waren es in diesem Jahr noch 7,92 € monatlich. Die tatsächliche monatliche Mehrbelastung beträgt also 1,44 €.

Nach der gesetzlichen Aufschlüsselung des Eckregelsatzes waren im Jahr 2013 8,36% für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung in diesem enthalten. In Zahlen 31,94 €. Da sich an der Aufschlüsselung für 2014 gegenüber 2013 nichts geändert hat, ergibt sich ein Wert von 32,69 € auf der Basis der Regelsatzerhöhung auf 391 €. Somit steigt der Satz für diesen Teil des Regelsatzes effektiv um nur 0,75 € monatlich.

Gegenüber diesem Wert beträgt die Mehrbelastung durch die EEG-Umlage nahezu das Doppelte.

Energiearmut – Auch Dank der Strompreissteigerungen

Auch wenn sich der Differenzwert aus der oben genannten Modellrechnung von 0,69 € monatlich erst einmal sehr gering anhört, so darf man bitte nicht vergessen, dass das nur die Mehrkosten der EEG-Umlage sind. Diese muß ein alleinstehender SGB II-Leistungsberechtigte aus eigener Tasche bezahlen.

Vergessen sollte man auch nicht die zu erwartenden allgemeinen Strompreissteigerungen. In diesem Jahr sind die Strompreise im Vergleich zum Vorjahr um rund 12% gestiegen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband bietet dazu eine sehr informative Expertise an,  in der sehr genau aufgeschlüsselt wird, wie hoch die tatsächlichen Stromkostendifferenzen für SGB II-Leistungsberechtigte im Jahre 2012 waren. Die sie quasi durch Einsparungen in anderen Bereichen selbst bestreiten müssen.

Somit kann man tatsächlich von einer voranschreitenden Energiearmut sprechen. Erschwerend kommt hinzu, dass im angeführten Teilbereich des Regelsatzes auch noch die monatlich anteiligen Kosten für Wohnung und Wohnungsinstandhaltung mit einkalkuliert sind. Damit wird das Ganze endgültig zur Farce.

Energiearmut – Theorie ist es, wenn die Praxis nicht funktioniert

Wer sich die Expertise des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes durchgelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass dieser bei einem Single-Haushalt von einer monatlichen Unterdeckung bei den Energiepreisen von rund 5 € monatlich ausgeht. Das war allerdings auf der Basis der Zahlen von 2012.

Diese Zahlen können wir aufgrund der Erfahrungen in unseren Beratungen nicht nachvollziehen. Wir bekommen andere Zahlen genannt. Die in der Praxis auftretende monatliche, chronische Unterdeckung beträgt tatsächlich bei Singles zwischen 10 und 20 € monatlich. Die Energiearmut ist somit noch weitaus größer, als es offiziellen Zahlen zu entnehmen ist.

Wer Lust dazu hat, kann uns ja gerne mal seine persönlichen Erfahrungswerte über die Kommentarfunktion mitteilen.

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2 Antworten zu Energiearmut – Wohin treibt sie uns noch?

  1. Veltepetter sagt:

    Abgesehen davon, dass sowohl der Eckregelsatz als auch die
    EEG-Umlage bekannter weiser Mogelpackungen sind, wäre es interessant, wenn die Quelle für dieses Zitat bekannt gegeben werden könnte.

    „Laut den verfügbaren statistischen Daten hat ein Single-Haushalt in der BRD einen durchschnittlichen jährlichen Verbrauch von 1.800 Kilowattstunden.“

    Die genannte Zahl, wie auch andere im Netz genannte durchschnittliche Verbrauchszahlen, meist von den Stromversorgern bereitgestellt, suggerieren dem Verbraucher
    eine Normalität.
    Das ist aber schlichtweg falsch, denn der Verbrauch ist immer individuell zu betrachten.
    Nicht nur dem eigenem Geldbeutel ist es geschuldet, sein Verbrauchsverhalten zu ändern, sondern auch die Umwelt sollte mit in Betracht gezogen werden.
    Eine tägliche Kontrolle des Stromverbrauches ermöglicht, zu erkennen, wo Einsparungen möglich sind.
    Insbesondere Haushalte mit dezentraler Warmwasserversorgung (Durchlauferhitzer) sollten einmal vor und nach dem Wannenbad ihren Stromzähler ablesen.
    Auch defekte oder falsch genutzte Kühl,- und Gefrierschränke können „Stromfresser“ sein.
    Darüber hinaus bietet jede größere Stadt einen Energie-Spar-Check an, der kostenlos von gemeinnützigen Einrichtungen durchgeführt wird.
    Letztendlich kann der Wechsel zu einem seriösen Stromanbieter deutliche Kosten-Einsparungen bewirken.
    Hierbei sollte man sich allerdings nicht von Prämienangeboten oder „günstigen Zwei-Jahres-Verträgen“ locken lassen, sondern das Gesamtpaket betrachten.

    Mein Verbrauch als Single-Haushalt mit dezentraler Warmwasserversorgung liegt unter 1000 kWh;
    ohne Einbußen der Lebensqualität.
    Mein Stromversorger ist keiner der „Großkonzerne“, sondern ein kleiner städtischer Anbieter, bei dem zurzeit die kWh 0,256 € kostet und der Grundpreis bei 67,83 € liegt. Beides Bruttopreise!

    Grüße
    Veltepetter

  2. Peter sagt:

    Hallo Veltepetter . dann gebe doch mal deinen tollen achso billigen Anbieter bekannt damit auch wir Stromverprasser günstiger wegkommen , abends bei Kerzenschein sitzen und sonst nichts mehr vom Leben haben kanns ja wohl nicht sein , irgendwann ist mit Stromsparen schluss , wo nichts mehr geht geht nichts mehr und unter 1000kwh möchte ich gerne sehen , schreiben kann man viel , ich brauche für 2 Personen 1960kwh Vater mit 17 jähriger Tochter und nehmen am Leben normal teil Gruß Peter.

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