Das Drama um Ein-Euro-Jobs

Ein-Euro-Jobs, ein Drama ohne Ende?

Die Bundesregierung hatte in 2010 im Rahmen des Sozialkahlschlags auch beschlossen, die Finanzierung der Integrationsmaßnahmen zurückzufahren. Die Armutsindustrie muss sich ihrerseits verschlanken. Wir erinnern uns: Hartz4 schafft Arbeit. Nachdem Milliarden versenkt wurden, bei den Nutznießern dieses Systems, Ein-Euro-Jobber bleiben nach der Gemeinwohlarbeit perspektivlos, werden auch in unserer Kommune die Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung eingeschränkt.

Die BG45 spricht sich grundsätzlich gegen diesen Beschäftigungsmarkt aus. Gleichwohl sehen und kennen auch wir das Elend als Hartz4-Berechtigte. Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Menschen mit Haustieren, Alleinstehende, die ohne Tätigkeit krank werden etc., versuchen ihre finanzielle Situation zu verbessern. Der eigentliche Grund ist doch aber, dass der Regelbedarf so knapp bemessen ist, dass eine gesunde Ernährung nicht sicher gestellt ist, eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht möglich ist. Wir können diesen Zwang nicht übersehen.

Spiegel-Online hat in einem Artikel zwei Beispiele vorgestellt, in denen sinnvolle, dem Gemeinwohl dienliche Tätigkeiten beschrieben werden, die jetzt entfallen.

Harald Pfeiff, Mitbegründer der IG-BG47, hat auf unsere Anfrage hin seine Sicht dargestellt.

Eine Lanze für die 1€-Jobs.

Sicherlich ist die “Institution” der 1€-Jobs fragwürdig und in vielen Bereichen auch arbeitsmarktpolitisch nicht vertretbar. Nur in sehr geringem Umfang wurden neue sozialversicherungspflichtige Stellen dadurch geschaffen bzw. durch 1€-Jobber besetzt. Aber man sollte dabei folgende Aspekte nicht vergessen:

1. Der 1€-Jobber wird durch diese Tätigkeit an ein regelmäßiges Leben herangeführt.
2. Er hat die Möglichkeit soziale Kontakte über seinen “Tellerrand” hinaus zu knüpfen.
3. Er fühlt sich “nützlich”, seine Arbeit erfährt in seinem Umfeld Anerkennung.
4. Der Hinzuverdienst, so gering er auch sein mag, war bisher anrechnungsfrei.

Sicherlich ließe sich auch diese Liste genauso verlängern, wie die der negativen. Sicherlich hat das System mehr als einen Mangel. Aber man darf und soll nicht vergessen, was auf der Seite der 1€-Jobber geleistet wurde und wird, von der Sterbebegleitung, über Altenbetreuung, Fahrgastbegleitung.

Es werden Lücken bleiben, die schmerzen.

Auch die WAZ (Jörg Maibaum) hat in DER WESTEN das Für und Wieder erörtert. (siehe hier)

Aber noch ist nichts verloren, freuen wir uns auf die Bürgerarbeit. Nachdem für Hartz4-Berechtigte ab Januar 2011 keine Rentenversicherungsbeiträge mehr abgeführt werden (Haushaltsbegleitgesetz), können wir uns auf die Bürgerarbeit stürzen. Zwanglos. Denn immerhin sind diese Tätigkeiten sozialversicherungspflichtig, netto liegt dann der Verdienst höchstens auf Hartz4-Niveau. Wir haben schon darüber berichtet. Die Vertafelung und die Verelendung werden weiter fortgeschrieben. So gesehen ist das Drama um Ein-Euro-Jobs nicht zu ende. Es beginnt nur ein neues Kapitel.

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