Arbeitnehmer – Atypische Beschäftigung nimmt zu

ArbeitnehmerArbeitnehmer immer mehr von atypischer Beschäftigung betroffen

Seit Jahren steigt die Zahl der in sog. atypischen Beschäftigungsverhältnissen tätigen Arbeitnehmer kontinuierlich. Was bisher von vielen lediglich so empfunden wurde, wurde jetzt aufgrund einer Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken durch das Bundesarbeitsministerium offiziell eingeräumt.

Hintergrund ist eine aktuelle Studie des WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut) der Hans-Böckler-Stiftung zu der Anzahl und „Verteilung“ von Arbeitnehmern in atypischen und prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Arbeitnehmer und die harten Fakten

Nunmehr ist es offiziell: Seit der Einführung des SGB II (Hartz IV) stieg die Anzahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse um mehr als 2 Millionen. Mit anderen Worten: Über 2 Millionen Arbeitnehmer mussten sich seit 2005 in Arbeitsverhältnissen verdingen, die kaum ein eigenwirtschaftliches Überleben ermöglichen.

Das sind die direkten Auswirkungen der § 2 Abs. Satz 1 (Grundsatz des Forderns), § 10 (Zumutbarkeit) und § 15 (EGV) SGB II. Die dafür sorgen, dass Leistungsberechtigte unter Androhung von seelischer Gewalt (= Entzug oder Minderung der Unterstützungsleistungen) nahezu jede Arbeit annehmen müssen.

Stellvertretend für viele andere Presseberichte über die Tatsache, dass immer mehr Arbeitnehmer in atypischer Beschäftigung gefangen sind, haben wir den Artikel von n-tv.de herausgegriffen:

Atypische Beschäftigung: Immer weniger Deutsche arbeiten in regulären Jobs

Über sieben Millionen Deutsche haben keinen regulären Job – stattdessen sind sie befristet, in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt. Die Linke kritisiert nun vergangene Reformen als wirkungslos.

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten nicht in regulären Jobs: Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer stieg binnen 20 Jahren um mehr als 70 Prozent. Sie sind befristet, in Teilzeit mit 20 oder weniger Wochenstunden, Zeitarbeit oder geringfügig beschäftigt. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Fraktion der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

1993 waren noch 4,4 Millionen Arbeitnehmer atypisch beschäftigt – 2013 bereits 7,6 Millionen. Demgegenüber ist der Anteil der Normalarbeitnehmer an den Erwerbstätigen in dem Zeitraum von 76,8 auf 67,5 Prozent gesunken. So waren es 1993 noch 25,9 Millionen Arbeitnehmer in Vollzeit oder Teilzeit mit einer Wochenarbeitszeit von mindestens 21 Stunden, einem unbefristeten Job sowie einer vollen sozialen Absicherung. Die Zahl sank bis 2005 auf 22,1 Millionen.

In dem Jahr trat die Hartz-IV-Reform in Kraft. Bis 2013 stieg die Zahl der Normalarbeitnehmer wieder auf 24,06 Millionen – binnen 20 Jahren ist das aber immer noch ein Rückgang um 7,2 Prozent. Der Anteil der atypisch Beschäftigten stieg in der Zeit den Angaben zufolge von 13,1 auf 21,4 Prozent. Der Anteil der Normalarbeitnehmer sank von 76,8 auf 67,5 Prozent. Dass es insgesamt mehr abhängig Beschäftigte gibt, ist vor allem auf die immer weitere Verbreitung von Teilzeitjobs zurückzuführen. 2013 arbeitete demnach fast jeder Vierte in Teilzeit.

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Jutta Krellmann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Nun ist es amtlich: 20 Jahre Reformen am Arbeitsmarkt haben für mehr Beschäftigung gar nichts gebracht.“ Es gebe heute genau so viel Arbeit wie 1994. „Nur mehr Menschen teilen sich den gleichen Umfang – aber zu deutlich schlechteren Bedingungen.“

Heute litten Beschäftigte unter erzwungener Teilzeit, Minijobs, Befristungen und Leiharbeit. „Reguläre Vollzeit-Jobs kennen junge Leute nur noch aus Erzählungen.“ Arbeit müsse wieder sicher werden, tariflich bezahlt, und sie müsse Mitgestaltung bieten, forderte die Politikerin.

Arbeitnehmer und die atypische Beschäftigung

Wie sich die atypische Beschäftigung der Arbeitnehmer in Deutschland verteilt, kann der folgenden Graphik des WSI entnommen werden:

ArbeitnehmerII

Arbeitnehmer – weitere wissenschaftliche Fakten

Hierzu hat das WSI der Hans-Böckler-Stiftung eine Datenbank aufgebaut und einen Leitartikel dazu verfasst, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:

Arbeitsmarkt
Atypisch ist fast normal

Minijobs und Co. bleiben weit verbreitet: Fast jeder zweite Job ist kein Normalarbeitsverhältnis.

Das zeigen aktuelle Auswertungen des WSI, die über die Datenbank „Atypische Beschäftigung“ online abrufbar sind. Deutschlandweit waren im Jahr 2013 demnach 43,3 Prozent aller Arbeitsverhältnisse Minijobs, Teilzeitstellen oder Leiharbeit. Eigentlich, so WSI-Experte Toralf Pusch, wäre angesichts der vergleichsweise guten Arbeitsmarktentwicklung in den letzten Jahren ein verringerter Druck zur Aufnahme solcher Beschäftigungsformen zu erwarten gewesen.

Stattdessen zeigen die Berechnungen des WSI, dass die Leiharbeit mit einem Anteil von 2 Prozent der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung annähernd auf dem Stand des Vorkrisenjahrs 2007 verharrt. Der Anteil der Minijobs hat im Vergleich zu 2007 sogar leicht zugelegt: um 0,6 auf 21,1 Prozent aller Arbeitsverhältnisse. Dazu dürften vor allem Neben-Minijobs beigetragen haben, deren Zahl seit 2007 um über 650.000 zugenommen hat, erläutert Pusch. Bei der Teilzeit zeigt die Statistik für die Jahre 2007 bis 2011 ebenfalls Zuwächse. Nach Umstellung der Meldestatistik der Bundesagentur für Arbeit betrug die Teilzeitquote im vergangenen Jahr 20,2 Prozent. Wie auch Minijobs würden Teilzeitbeschäftigungen vor allem von Frauen ausgeübt, konstatiert der Forscher.

Die WSI-Datenbank liefert Informationen für jede Stadt und jeden Kreis. Bundesweit am stärksten verbreitet ist atypische Beschäftigung mit 58,8 und 57,2 Prozent in Delmenhorst und Landshut, also im Westen der Republik. Dort sei atypische Beschäftigung bei Frauen vor allem im ländlichen Raum sehr weit verbreitet, so der Arbeitsmarktexperte. Insgesamt wiesen daher auch westdeutsche Flächenländer die höchsten Quoten auf: Schleswig-Holstein liegt mit 47,3 Prozent vorn, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 46,5 und Niedersachsen mit 46 Prozent. Im Osten liegen die Werte deutlich darunter, was laut Pusch mit anderen Erwerbsmustern vor allem bei Frauen zusammenhängt. Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung in Thüringen, wo allerdings immer noch knapp zwei Fünftel der Arbeitsverhältnisse betroffen sind.

Arbeitnehmer und die atypische Beschäftigung in Essen

Für Leser, die einen weiteren Überblick über die Anzahl und „Verteilung“ von Arbeitnehmern in atypischer Beschäftigung in Essen erlangen möchten, haben wir eine aufbereitete PDF des WSI hinterlegt. Sie enthält die harten Fakten zu der im wahrsten Sinne des Wortes katastrophalen Lage der Arbeitnehmer hier in Essen.

So manches Büro ähnelt einem Militärflugplatz: Da finden sich Senkrechtstarter, geistige Tiefflieger, Abfangjäger und Sturzkampfbomber. Ganz zu schweigen von den Bruchpiloten.

Unbekannten Ursprungs

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One Response to Arbeitnehmer – Atypische Beschäftigung nimmt zu

  1. Peter Beucher says:

    In Düsseldorf sind Arbeiter auf einem Baukran gestiegen und drohten auch runter zu springen.
    Weil man ihnen kein Geld gezahlt hat , mittlerweile wurde ihnen von der Firma versprochen das Geld was ihnen zusteht zu zahlen.
    Es sind Fremdarbeiter aus Rumänien die man billig ausgenutzt hat und ihnen das noch nicht mal geben wollte .
    So ein mieser ,dreckiger elender Sklavenhalter an Arbeitgeber.
    Und das nicht nur in der Weihnachtszeit wo die Leute das Geld für essen und ihre Familien brauchen.
    Der Name der Firma wurde nicht bekannt gegeben –
    Besser so ,wer weiss was dann passieren würde

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