Inge Hannemann ist freigestellt

Das JobCenter in Hamburg-Altona hat Frau Inge Hannemann freigestellt

Inge Hannemann ist für viele Menschen, die von Hartz IV betroffen sind, nicht nur ein Begriff sondern ein Hoffnungsschimmer. Frau Hannemann kritisiert öffentlich und ungeschminkt das Hartz IV-System. Auf ihrem Blog altonabloggt nimmt sie kein Blatt vor dem Mund und bezieht klare Stellung. Was ist daran das Besondere?

Inge Hannemann ist (noch) Mitarbeiterin der JobCenters in Hamburg-Altona. Sie ist dort für die sogenannten U25-Fälle zuständig. Sie kümmert sich darum, das die ihr anvertrauten Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Zukunft in diesem Land bekommen. Und das mit dem „kümmern“ ist wortwörtlich gemeint. Was ihr (Noch)Arbeitgeber Frau Hannemann u.a. zur Last legt ist, das sie ihre Kunden wie Menschen behandelt. Wo andere sanktionieren versucht sie Vertrauen aufzubauen. Wo andere die ihnen anvertrauten Menschen zum x-ten Mal in ein Bewerbungstraining schicken, setzt sich Frau Hannemann mit dem hilfesuchenden Menschen hin, und schreibt mit ihm zusammen ein Bewerbungsschreiben. Dafür nimmt sie sich dann auch schon mal bis zu drei Stunden Zeit.

Das war nicht immer so. Seit 2005 ist Frau Hannemann in der kommunalen Sozialverwaltung tätig. Die studierte Journalistin war damals in einer finanziellen Notlage. Als alleinerziehende Mutter nahm sie damals die Möglichkeit war, die ihr von der Kommune geboten wurde. Die Arbeit machte ihr zunächst auch Spaß. Das änderte sich, als die Sanktionspraxis Fuß fasste und der beständige Druck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den JobCentern immer größer wurde. Im Rahmen ihrer Tätigkeit hat Frau Hannemann zu Anfang auch Sanktionen ausgesprochen. Aber sie hat erkannt, was sie damit bei den Betroffenen anrichtet. Das trug mit zu ihrer Kehrtwende bei. Sie hat sich persönlich bei den Menschen entschuldigt, die sie sanktioniert hatte. Von Stund an gab und gibt es für Frau Hannemann im JobCenter keine Kunden mehr. Sie setzt sich fortan konsequent für die Menschen ein, die sie zu betreuen hat. Was nicht bedeutet, das sie nichts fordert. Ihre Arbeit mit den Betroffenen besteht aus einem gegenseitigen Geben und Nehmen. D.h. das sie schon darauf hinarbeitet, das jeder junge Mensch, für den sie zuständig ist, sich aktiv bei der Weggestaltung seiner weiteren Zukunft einbringt. Aber sie lässt den Menschen dafür die Zeit, die er braucht. Sie motiviert, wo andere sanktionieren. Und sie klärt auf.

Das alles will ihr Arbeitgeber nicht mehr hinnehmen. Da Frau Inge Hannemann nicht im Sinne des SGB II funktioniert ist sie nun, seit dem 22.04.2013, von ihrer Tätigkeit im JobCenter Hamburg-Altona bis auf Widerruf freigestellt. Auch so manche Kollegin und so mancher Kollege wird innerlich aufatmen. Denn die wenigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im JobCenter Hamburg-Altona sympathisierten mit der Herangehensweise von Frau Hannemann. Vertretungskräfte mussten sich dann schon mal Sätze wie „Frau Hannemann hätte anders reagiert“ anhören. Auch weigern sich viele Hilfebedürftige die Eingliederungsvereinbarungen zu unterschreiben. Eine Folge eines entsprechenden Aufrufs von Frau Inge Hannemann. Auch dies ist mit ein Grund, für die nun bestehende Freistellung.

Frau Hannemann sieht der augenblicklichen Situation sehr gefasst ins Auge. Sie hat schon längst mit einer Reaktion dieser Art von Seiten ihres Arbeitgebers gerechnet. Ob sie juristisch gegen die Freistellung vorgehen wird, lässt sie noch offen. Die „deutsche Fabiene“ ist nach wie vor kampfbereit und lässt sich nicht mundtot machen. Ein große Welle der Sympathie und Anteilnahme, die sie seit diesem Montag erfährt, geben ihr dabei Recht. So gibt es u.a. eine Online-Petition die unmittelbar nach Bekanntwerden der Freistellung von Unterstützern initiiert wurde. Frau Inge Hannemann selber rechnet aber mit der Kündigung. Das könnte u.U. zu einem Wiedersehen mit den dann ehemaligen Kolleginnen und Kollegen führen. Wir hoffen, das es nicht soweit kommt.

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2 Antworten zu Inge Hannemann ist freigestellt

  1. Peter Beucher sagt:

    Auch die Mitarbeiter der Job Center sollten gemeinsam auf die Strasse gehen um gegen die Arbeitsbedingungen zu protestieren .

  2. Andrea Hinz sagt:

    Liebe Frau Hannemann,
    bitte lassen Sie sich nicht entmutigen durch diese Schikanen.
    Nicht aufgeben, keinen Vergleich machen, sondern klagen bis zum Urteil!
    Sie haben die meisten Menschen hinter sich!
    Viel Kraft und alles Liebe!
    P.S. Bei der ersten Verhandlung, bei der ein Vergleich angeboten wird, nicht ohne ausreichende Bedenkzeit eine Entscheidung treffen!
    Gerade bei einem ersten Gerichtsverfahren ist man aufgeregt und trifft vorschnell eine Entscheidung, weil auch Richter aus Kostengründen lieber für einen Verglech sind und dementsprechend einwirken!
    Vorher genau informiern wie die Verhandlungen ablaufen, was auf Sie zukommt.,welche Rechte Sie haben!
    Vorschnelle und durch Zeitdruck getroffene Entscheidungen bedauert man im Nachhinein und sind nicht rückgängig zu machen.
    Ich knapse noch heue daran.
    (Habe nach vielen Schikanen aufgegeben,nach sechs Jahren Kampf mein Betriebsratsamt und Arbeitsplatz mit entsprechender Abfindung verkauft, was ich 10 Minuten nach der Verhandlung schon bereut habe.
    Ich hatte fünf Minuten Beratung mit meinem Anwalt vor der Tür, um mich für ja oder nein zu entscheiden.
    Auf Zureden meines Mannes,meiner anwesenden Kollegin und Freundin, die meine psychische Belastungen durch das Bossing kannten, habe ich das Abfindungsangebot angenommen, obwohl der Richter sagte, dass ich den Prozess gewinnen werde.
    Da mein AG aber in Revision gehen wollte und dieses
    Verfahren noch 2 Jahre gedauert hätte, habe ich das Abfindungsangebot angenommen, was ich 4 Jahre danach noch immer bereue.
    Egal, wie Sie sich letzendlich entscheiden, erbitten Sie sich ausreichend Bedenkzeit und sorgen Sie dafür, dass Sie diese erhalten!
    Ich bewundere Sie sehr für Ihr Engagement und wenn es noch Gerechtigkeit gibt, werden Sie gewinnen!

    Liebe Grüße
    A. H.
    .

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