{"id":7223,"date":"2013-11-12T08:09:09","date_gmt":"2013-11-12T07:09:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bg45.de\/?p=7223"},"modified":"2025-10-29T10:33:41","modified_gmt":"2025-10-29T09:33:41","slug":"arbeitslosigkeit-die-hartz4-luege","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bg45.de\/index.php\/7223\/arbeitslosigkeit-die-hartz4-luege\/","title":{"rendered":"Arbeitslosigkeit &#8211; Die Hartz4-L\u00fcge"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><figure><a href=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Arbeitslosigkeit.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-7226\" src=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Arbeitslosigkeit.png\" alt=\"Arbeitslosigkeit\" width=\"230\" height=\"258\" srcset=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Arbeitslosigkeit.png 480w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Arbeitslosigkeit-267x300.png 267w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Arbeitslosigkeit-133x150.png 133w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><\/figure>Arbeitslosigkeit in Deutschland &#8211; Die sog. Hartz4-Reform hat keinen Einfluss auf die Arbeitslosenzahlen<\/h3>\n\n\n\n<p>Was viele ohnehin schon lange vermutet haben, ist nun wissenschaftlich untermauert. Denn laut einer Studie der Universit\u00e4t Mainz kann man es auf die Formel bringen: <em>Hartz4 = 0,1% weniger Arbeitslosigkeit<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider liegt die Studie nur in Englisch vor und tr\u00e4gt den Titel <em>ESTIMATING INCENTIVE AND WELFARE EFFECTS OF NONSTATIONARY UNEMPLOYMENT BENEFITS.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings gibt es dazu eine zusammenfassende Pressemitteilung der Universit\u00e4t Mainz, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Arbeitslosigkeit durch Hartz-IV-Reform nicht gesunken<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Beitrag der Hartz-IV-Reform zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit in Deutschland insgesamt au\u00dfergew\u00f6hnlich niedrig<\/h4>\n\n\n\n<p>07.11.2013<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hartz-IV-Reform des Arbeitsmarkts ist eine der politisch umstrittensten Reformen, die seit der Wiedervereinigung in der Bundesrepublik durchgef\u00fchrt wurden. Mit ihr werden Gef\u00e4hrdungen des Lebensstandards bis hin zu Armut verbunden. Gleichzeitig konnte die Bundesrepublik ihre Arbeitslosenquote \u00fcber die letzten Jahre so stark senken wie fast kein anderes Land in Europa oder der OECD. Welche Rolle spielen die Hartz-Reformen in dieser Erfolgsgeschichte? <strong>Eine aktuelle Ver\u00f6ffentlichung von Juniorprof. Dr. Andrey Launov und Univ.-Prof. Dr. Klaus W\u00e4lde von der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz (JGU) zeigt, dass die Hartz-IV-Gesetze de facto keinen erw\u00e4hnenswerten Beitrag zur Reduktion der Arbeitslosigkeit lieferten.<\/strong> Gleichzeitig waren die anderen Reformen, Hartz I bis Hartz III, umso hilfreicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahrzehnten nutzen Regierungen Arbeitslosenunterst\u00fctzungen als ein wichtiges Instrument zur Regulierung des Arbeitsmarkts. Viele \u00d6konomen haben in der j\u00fcngeren Vergangenheit argumentiert, dass zu hohe Arbeitslosenunterst\u00fctzungen in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zu starren und ineffizienten Arbeitsm\u00e4rkten gef\u00fchrt haben. Sie vermindern den Anreiz f\u00fcr Arbeitslose, sich um neue Stellen zu bem\u00fchen und f\u00fchren zu hohen und <a title=\"Der Duden zu persistent\" href=\"http:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/persistent\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">persistenten<\/a> Arbeitslosenquoten, so das Argument. Zwischen Anfang der 1990er und den fr\u00fchen 2000er Jahren stieg die Arbeitslosenquote in fast allen gro\u00dfen europ\u00e4ischen Volkswirtschaften auf die Marke von \u00fcber 10 Prozent. Einige europ\u00e4ische Regierungen haben darauf mit verschiedenen Arbeitsmarktreformen reagiert. Die K\u00fcrzung der Arbeitslosenunterst\u00fctzungen wurde dabei, wie zu erwarten war, zu einem Herzst\u00fcck der Reformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland unterschied sich nicht sehr von seinen europ\u00e4ischen Nachbarn. Zwischen 2003 und 2005 wurden die Hartz-Reformen des Arbeitsmarkts durchgef\u00fchrt, darunter auch die Hartz-IV-Reform im Jahr 2005, die die Arbeitslosenhilfe f\u00fcr die Mehrzahl der Erwerbst\u00e4tigen verringerte. Durch diese Reform wurde auch die Anspruchsdauer auf Arbeitslosengeld verringert. <strong>W\u00e4hrend die Regierung mit Hartz IV eine Reduktion der Arbeitslosigkeit anstrebte, bestand gleichzeitig die Gefahr, dass die am wenigsten sozial Gesch\u00fctzten, wie beispielsweise die Langzeitarbeitslosen, nach der Reform finanziell noch schlechter dastehen w\u00fcrden.<\/strong> In der Wahrnehmung der breiten \u00d6ffentlichkeit hatte die Reform tats\u00e4chlich sehr schnell ein negatives Image bekommen. Hartz IV wurde weitgehend als &#8222;das Ende des Sozialstaats&#8220; und als prim\u00e4r nachteilig f\u00fcr die Arbeitnehmerschaft empfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Studie von Juniorprof. Dr. Andrey Launov und Univ.-Prof. Dr. Klaus W\u00e4lde, die jetzt im renommierten Fachmagazin <i>International Economic Review<\/i> ver\u00f6ffentlicht wurde, besch\u00e4ftigt sich detailliert mit den verschiedenen Auswirkungen der Hartz-IV-Reform. Es werden sowohl die gesamte Volkswirtschaft als auch die Implikationen f\u00fcr die verschieden Besch\u00e4ftigungsgruppen untersucht. <strong>Diese Studie zeigt, dass der Beitrag der Hartz-IV-Reform zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit in Deutschland insgesamt au\u00dfergew\u00f6hnlich niedrig war. Tats\u00e4chlich f\u00fchrte Hartz IV zu einem R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit um weniger als 0,1 Prozentpunkte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt in den tats\u00e4chlichen \u00c4nderungen der Lohnersatzleistungen durch die Reform. Der Anreizeffekt durch niedrigere Lohnersatzleistungen w\u00e4hrend einer Langzeitarbeitslosigkeit ist f\u00fcr gut ausgebildete Arbeitnehmer sehr gering. Diese Besch\u00e4ftigtengruppen finden neue Stellen, lange bevor die Unterst\u00fctzungsk\u00fcrzungen durch Hartz IV auf sie zukommen. Daher ist Hartz IV f\u00fcr diese Gruppe im Wesentlichen unbedeutend. F\u00fcr geringer qualifizierte Arbeitnehmer, die den gr\u00f6\u00dften Teil der Langzeitarbeitslosen ausmachen, ist der Unterschied zwischen ihren Unterst\u00fctzungsleistungen vor Hartz IV (Arbeitslosenhilfe) und nach Hartz IV (Arbeitslosengeld II) oft zu gering, um sich tats\u00e4chlich auszuwirken. Objektive Schwierigkeiten mit der Vermittelbarkeit solcher Arbeiter reduzieren die Effekte der Reform auf die Reduktion der Arbeitslosigkeit noch weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reform hat in den neuen Bundesl\u00e4ndern einen st\u00e4rkeren Effekt auf den Arbeitsmarkt erzielt als in den alten Bundesl\u00e4ndern. Jedoch waren die Auswirkungen in den neuen Bundesl\u00e4ndern nicht in dem Ausma\u00df, wie man es anf\u00e4nglich erwartet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ist dann aber der starke R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik seit Einf\u00fchrung der Hartz-Reformen zu verstehen? Wie aktuelle Forschungen von Launov und W\u00e4lde zeigen, liegt der Erfolg vielmehr in Hartz I bis III begr\u00fcndet. Dabei sticht insbesondere die Reform der vormaligen Bundesanstalt und jetzigen Bundesagentur f\u00fcr Arbeit hervor. Die Einrichtung von Jobcentern, die Einf\u00fchrung einer einzigen Kontaktperson f\u00fcr einen Arbeitslosen, die Reduktion der Anzahl der Arbeitslosen pro Arbeitsvermittler in den Jobcentern und weitere Ma\u00dfnahmen von Hartz III f\u00fchrten zu einer Reduktion der Arbeitslosigkeit um 1,3-2 Prozentpunkte. Die Reform der Vermittlungsbeh\u00f6rde war also etwa vier- bis f\u00fcnfmal effektiver als die Reduktion der Lohnersatzleistungen. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler Launov und W\u00e4lde kommen zu dem Schluss, dass zwar Reformen des Arbeitsmarkts dringend geboten waren, es aber entscheidend ist, wie man eine Reform genau gestaltet. &#8222;Auf verteilungspolitisch schwierige Bestandteile wie eine Reduktion der Lohnersatzleistungen kann dabei offenbar verzichtet werden&#8220;, so die beiden \u00d6konomen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Arbeitslosigkeit und die Hartz4-L\u00fcge<\/h4>\n\n\n\n<p>Selbst wenn man nur die Pressemitteilung liest, wird einem klar, wie sehr die jeweiligen Bundesregierungen die \u00d6ffentlichkeit seit der Einf\u00fchrung der Harz4-Reform \u00fcber deren Auswirkung auf die Arbeitslosigkeit get\u00e4uscht haben. Man kann also getrost von der <strong>Hartz4-L\u00fcge<\/strong> sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erreicht hat diese Reform wohl nur eins: Den zweitgr\u00f6\u00dften Niedriglohnsektor innerhalb der EU!<\/p>\n\n\n\n<p>Und wohin das auf Dauer f\u00fchren wird ist abzusehen. N\u00e4mlich zu einer breiten Altersarmut!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen. Voltaire<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitslosigkeit in Deutschland &#8211; Die sog. Hartz4-Reform hat keinen Einfluss auf die Arbeitslosenzahlen Was viele ohnehin schon lange vermutet haben, ist nun wissenschaftlich untermauert. Denn laut einer Studie der Universit\u00e4t Mainz kann man es auf die Formel bringen: Hartz4 = 0,1% weniger Arbeitslosigkeit. 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