{"id":5830,"date":"2013-09-27T13:19:43","date_gmt":"2013-09-27T11:19:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bg45.de\/?p=5830"},"modified":"2015-08-28T12:19:05","modified_gmt":"2015-08-28T10:19:05","slug":"verdeckte-armut-in-deutschland-ein-brisantes-thema","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bg45.de\/index.php\/5830\/verdeckte-armut-in-deutschland-ein-brisantes-thema\/","title":{"rendered":"Verdeckte Armut in Deutschland &#8211; Ein brisantes Thema"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\">Mehr als jeder Dritte verzichtet auf aufstockende Leistungen nach dem SGB II. Die sogenannte\u00a0<em>Verdeckte Armut<\/em> ist ein Kennzeichen der Agenda 2010.<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die <em>Verdeckte Armut<\/em> ist l\u00e4ngst kein Einzelfall mehr. Zwischen 3,1 und\u00a04,9 Millionen Menschen in Deutschland sind von ihr betroffen. Das sind Menschen, die keine aufstockenden Leistungen nach dem SGB\u00a0II beantragen. Und das, obwohl sie wegen zu geringem Einkommen oder Verm\u00f6gen einen Rechtsanspruch darauf h\u00e4tten. Dies ist eine direkte Auswirkung der Agenda 2010 mit dem durch sie entstandenen Niedriglohnsektor.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieses Ergebnis gibt das Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer aktuellen Simulationsrechnungen f\u00fcr das Bundesarbeitsministerium bekannt. Umgerechnet in Prozent verzichten somit zwischen 34 und 44 Prozent der Berechtigten auf staatliche Transferleistungen, mithin ergo mehr als jeder dritte. Als m\u00f6gliche Gr\u00fcnde, warum kein Leistungsantrag gestellt wird, nennen die IAB-Forscher in der 247-seitigen <a title=\"IAB Forschungsbericht 5\/2013\" href=\"http:\/\/doku.iab.de\/forschungsbericht\/2013\/fb0513.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> Unwissenheit, Scham oder eine nur sehr geringe zu erwartende Leistungsh\u00f6he oder \u2013dauer.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Das k\u00f6nnte direkte Auswirkungen auf die H\u00f6he des Eckregelsatzes nach dem SGB\u00a0II haben<\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Politisch bedeutsam sind diese Zahlen f\u00fcr die H\u00f6he des Eckregelsatzes nach dem SGB\u00a0II und somit auch f\u00fcr die Grundsicherung nach dem SGB\u00a0XII. Denn die richtet sich eigentlich nach den Konsumausgaben der unteren 20\u00a0Prozent der Einkommensbezieher. Die <em>Verdeckte Armut<\/em> zeigt hier bereits ihren Einfluss.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und genau hierbei hatte die Bundesregierung schon 2011 statistisch getrickst, denn sie hatte nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes nur die unteren 15\u00a0Prozent der Einkommensbezieher als Ausgangsberechnungsgrundlage angesetzt. Bei diesen Berechnungen werden normalerweise die Bezieher von Leistungen nach dem SGB\u00a0II ausgenommen, damit keine Verarmungsspirale in Gang gesetzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Richter stellten damals auch fest, da\u00df die Einbeziehung von verdeckt armen Haushalten in die Referenzgruppe \u201edie Datenbasis verf\u00e4lschen\u201c w\u00fcrde. Bei der Auswertung k\u00fcnftiger Einkommens- und Verbrauchsstichproben solle der Gesetzgeber darauf achten, diese zu entfernen. Was aber auch nicht geschah.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Denn die direkte Folge w\u00e4re gewesen, da\u00df dann die Regels\u00e4tze deutlich h\u00e4tten steigen m\u00fcssen. Rechnet man die verdeckt Armen heraus, so steigen die Konsumausgaben bei Alleinstehenden laut IAB im Schnitt um bis zu 2,4\u00a0Prozent, bei Paaren mit einem Kind um bis zu 5,5\u00a0Prozent. Das Bundesarbeitsministerium bezeichnet die Zahl der verdeckt Armen als \u201ebetr\u00e4chtlich\u201c, will aber an der Berechnungsmethode nichts \u00e4ndern. W\u00fcrde diese Personengruppe herausgerechnet, \u201ek\u00e4me es durch die an deren Stelle nachr\u00fcckenden Haushalte mit h\u00f6herem Einkommen tendenziell zu einer Verlagerung der Referenzgruppe in den mittleren Einkommensbereich\u201c, hei\u00dft es dazu im Regelbedarfsbericht, der Juli diesen Jahres im Sozialausschuss beraten wurde.<br \/>\nQuellen: <em>Bericht nach \u00a7 10 RBEG<\/em> und <em>Material zur Information &#8211; Regelbedarfsermittlungsbericht<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und es steht zu bef\u00fcrchten, da\u00df nach dem f\u00fcr den Herbst zu erwartenden erneuten Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu der Verfassungskonformit\u00e4t der Regels\u00e4tze die k\u00fcnftige Bundesregierung, wie immer sie auch aussehen mag, erneut dann die statistischen Tricks anwenden wird. <em>Verdeckte Armut<\/em> als Manipulationsinstrument.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Verdeckte Armut<\/em> geht auch an den RentnerInnen nicht vorbei. Bedauerlicherweise werden aber auch von dieser Studie nicht die in verdeckter Armut leben RentnerInnen erfasst. Denn die Dunkelziffer der sog. Altersarmut ist nicht fassbar. Aber es ist davon auszugehen, da\u00df es genug Betroffene gibt, deren Rente unter dem Eckregelsatz liegt. Viele von ihnen trauen sich ebenfalls aus Scham nicht, Leistungen nach dem SGB\u00a0XII (also Grundsicherung im Alter) zu beantragen. Das Thema <em>Verdeckte Armut in Deutschland<\/em> wird uns noch lange besch\u00e4ftigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als jeder Dritte verzichtet auf aufstockende Leistungen nach dem SGB II. Die sogenannte\u00a0Verdeckte Armut ist ein Kennzeichen der Agenda 2010. Die Verdeckte Armut ist l\u00e4ngst kein Einzelfall mehr. Zwischen 3,1 und\u00a04,9 Millionen Menschen in Deutschland sind von ihr betroffen. 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