{"id":5257,"date":"2013-07-29T15:46:57","date_gmt":"2013-07-29T13:46:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bg45.de\/?p=5257"},"modified":"2016-12-13T10:40:07","modified_gmt":"2016-12-13T09:40:07","slug":"frau-hannemann-beschert-essen-einen-denkwurdigen-abend","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bg45.de\/index.php\/5257\/frau-hannemann-beschert-essen-einen-denkwurdigen-abend\/","title":{"rendered":"Frau Hannemann beschert Essen einen denkw\u00fcrdigen Abend"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\">Die Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer verfolgten teils gebannt, teils fassungslos den Erfahrungen von Frau Hannemann<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Veranstaltung <em><strong>Die Sanktionspraxis des Hartz IV Systems \u2013 Kritik nicht erw\u00fcnscht?<\/strong> <\/em>war trotz des schw\u00fclen Wetters am Freitag gut besucht. Laut Angaben der LINKEN, die zu der Veranstaltung eingeladen hatte, wohnten dieser ca. 70 Besucher bei.<br \/>\nBegr\u00fc\u00dft wurden die Anwesenden durch Waltraut Steuer, Mitglied im Kreisvorstand DIE\u00a0LINKE. Sie stellte kurz <a title=\"Blog von Inge Hannemann\" href=\"https:\/\/altonabloggt.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frau Hannemann<\/a> und Rechtsanwalt <a title=\"Rechtsanwalt Jan H\u00e4u\u00dfler, Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht\" href=\"http:\/\/www.jan-haeussler.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jan H\u00e4u\u00dfler<\/a> vor, Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht und beratend t\u00e4tig f\u00fcr den BG45.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_5270\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Frau-Hannemann-berichtet-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5270\" class=\"size-medium wp-image-5270\" src=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Frau-Hannemann-berichtet-1-300x200.png\" alt=\"Frau Hannemann berichtet \u00fcber ihre Erfahrungen\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Frau-Hannemann-berichtet-1-300x200.png 300w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Frau-Hannemann-berichtet-1-225x150.png 225w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Frau-Hannemann-berichtet-1.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5270\" class=\"wp-caption-text\">Frau Hannemann berichtet \u00fcber ihre Erfahrungen<br \/>\u00a9 2013 by Stefan Dolge<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Danach begann Frau Hannemann mit ihrem Vortrag. Sie schilderte zun\u00e4chst den ersten Anh\u00f6rungstag vor dem Arbeitsgericht Hamburg. Um sich gegen die am 22. April 2013 ausgesprochene Suspendierung von ihrer T\u00e4tigkeit als Arbeitsvermittlerin zu wehren und ihrem Begehren nach weitere Besch\u00e4ftigung Geh\u00f6r zu verschaffen, hatte Frau Hannemann ein Eilverfahren vor dem Arbeitsgericht Hamburg erwirkt. Die erste Anh\u00f6rung wurde jedoch vertagt. Die vorsitzende Richterin war offensichtlich fachlich nicht gut vorbereitet. So wusste sie z.B. nichts mit dem Begriff Sanktionsmoratorium anzufangen. Am 30. Juli, findet der zweite Anh\u00f6rungstag statt. Neben der Presse wird auch Katja Kipping, Mitglied des Bundestages und Vorsitzende der Partei DIE LINKE, f\u00fcr den Tag erwartet. Frau Kipping zeigt sich solidarisch mit Frau Hannemann und will sie, mit ihrer Anwesenheit am Anh\u00f6rungstag, unterst\u00fctzen. Ausgehend von der aktuellen Entwicklung und der Reaktion der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, geht Frau Hannemann davon aus, das es bei der Anh\u00f6rung zu einer Schlammschlacht kommen wird. In Hamburg selbst wird es f\u00fcr sie bereist gef\u00e4hrlich \u00f6ffentlich aufzutreten. Sie sieht sich zunehmend Angriffen auf ihre Person ausgesetzt. Trotz allem ist Frau Hannemann physisch und psychisch gut dabei. Ihre Kraft sch\u00f6pft sie aus der gro\u00dfen Solidarit\u00e4t und der Unterst\u00fctzung, die sie von Au\u00dfen aber vor allem von ihrer Familie erf\u00e4hrt. Unerschrocken setzt sie ihren Weg fort und tourt noch bis Ende September durch Deutschland. Dabei bereist sie jedes Bundesland, auch Bayern. Dort ist sie und ihre Arbeit noch gr\u00f6\u00dftenteils unbekannt. Es gibt also noch viel zu tun.<\/p>\n<div id=\"attachment_5281\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Voller-Saal.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5281\" class=\"size-medium wp-image-5281\" src=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Voller-Saal-300x200.png\" alt=\"Die Menschen wollen Frau Hannemann erleben\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Voller-Saal-300x200.png 300w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Voller-Saal-225x150.png 225w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Voller-Saal.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5281\" class=\"wp-caption-text\">Die Menschen wollen Frau Hannemann erleben<br \/>\u00a9 2013 by Stefan Dolge<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Der haupts\u00e4chliche Grund der Tour liegt darin begr\u00fcndet, das die Menschen Frau Hannemann <em>live<\/em> erleben wollen. Es reicht nicht, im Internet auf den verschiedenen Plattformen vertreten zu sein und dort die Menschen mit Informationen zu versorgen. Die Leute wollen eine Frau Hannemann zum Anfassen. Pers\u00f6nliche Begegnungen wirken eben weit tiefer nach, als es ein Text oder ein Video je k\u00f6nnte. So wichtig die beiden Punkte auch sind. Und somit berichtet Frau Hannemann pers\u00f6nlich vor Ort, was sie als Insiderin in dem Hamburger JobCenter erlebt und erfahren hat. Zum Beispiel das Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Erwerbslose von den JobCentern ausgeschrieben werden, wie Bauauftr\u00e4ge von der Stadt. Und auch hier bekommt dann der den Zuschlag, der am billigsten ist. Das billig nicht gleich gut ist, d\u00fcrfte niemanden \u00fcberraschen. Von der Sinnhaftigkeit vieler Ma\u00dfnahmen ganz zu schweigen. Wohlgemerkt der Sinnhaftigkeit f\u00fcr die Erwerbslosen. F\u00fcr die JobCenter und der BA macht jede noch so abstruse Ma\u00dfnahme einen Sinn. Schlie\u00dflich tauchen die dort teilnehmenden Erwerbslosen nicht mehr in selbiger Statistik auf. Friede, Freude, Eierkuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Neben diesen Themen berichtet Frau Hannemann \u00fcber ihre geschichtliche Entwicklung, bzgl. ihrer Arbeit als Sachbearbeiterin im JobCenter ab dem Jahr 2005 bis zu ihrer Freistellung 2013. Das f\u00fcr sie immer der Mensch im Zentrum ihrer T\u00e4tigkeit stand und steht. Das die Belange, Sorgen und N\u00f6te der Menschen f\u00fcr sie wichtig sind und keine Zahlenkolonnen oder Zielvorgaben. Sie berichtet aber auch von den Reaktionen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Diese stehen ihrer Arbeitsweise meist ablehnend gegen\u00fcber und nicht selten musste Frau Hannemann mit Mobbing Erfahrung machen. Aber sie hat auch Zuspruch von einzelnen Kolleginnen und Kollegen erfahren. Nat\u00fcrlich nur mit vorgehaltener Hand. Denn auch f\u00fcr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JobCenter sind diese ein Hort der Angst und Unterdr\u00fcckung. Nicht von ungef\u00e4hr gibt es so wenig Widerstand gegen das, was von diesen Menschen von ihrem Arbeitgeber gefordert wird. Zudem sind sie meist schlecht ausgebildet. Viele haben nur befristete Arbeitsvertr\u00e4ge. Sie erhalten eine kurze Schulung und werden dann ins kalte Wasser geschmissen. Es sind dann auch fast ausnahmslos die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit befristeten Vertr\u00e4gen, die zwischen Weihnachten und Neujahr ihre Zeit im JobCenter verbringen, anstatt bei ihrer Familie, wie die \u00fcbrigen Kolleginnen und Kollegen. Der Grund daf\u00fcr ist, das innerhalb dieser Zeitspanne die Entscheidung \u00fcber die jeweilige Entfristung bekanntgemacht wird. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JobCenter erfahren eine systemkonforme Pr\u00e4gung, die ihr Denken und Handeln bestimmt.<\/p>\n<div id=\"attachment_5293\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Letzte-Vorbereitung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5293\" class=\"size-medium wp-image-5293\" src=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Letzte-Vorbereitung-300x200.png\" alt=\"Eine nachdenkliche Frau Hannemann\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Letzte-Vorbereitung-300x200.png 300w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Letzte-Vorbereitung-225x150.png 225w, http:\/\/www.bg45.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Letzte-Vorbereitung.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5293\" class=\"wp-caption-text\">Eine nachdenkliche Frau Hannemann<br \/>\u00a9 2013 by Stefan Dolge<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Es ist also kein Wunder, das die Zahl der verh\u00e4ngten Sanktionen zunimmt. Sanktionen lehnt Frau Hannemann konsequent ab. Sie sieht in ihnen einzig ein Druckinstrument zur Aus\u00fcbung von Macht. Die Macht der Sacharbeiterin, des Sacharbeiters \u00fcber die ihnen anvertrauten erwerbslosen Menschen. Frau Hannemann spricht den Sanktionen jedwede erzieherische Wirkung ab. Jugendliche und junge Erwachsene reagieren bei Sanktionen meist mit R\u00fcckzug. Sie verweigern sich h\u00e4ufig total und geraten so in einen Teufelskreislauf. Erwachsene hingegen nehmen im Sanktionsfall den Kampf auf. Soweit sie noch den Willen und die Kraft dazu haben. Viele lassen sich brechen. Das ist es was man mit Sanktionen erreicht: Gebrochene Menschen!<br \/>\nFrau Hannemann ist \u00fcberzeugt davon, das durch den Wegfall der Sanktionen Leih- und Zeitarbeit massiv abnehmen und sich ein Mindestlohn durchsetzen w\u00fcrde. Zur Zeit vermitteln die JobCenter zu 70% in Zeit- und Leiharbeit. Dies ist nur durch den Druck der Sanktionen m\u00f6glich. Dazu kommt, das Zeitarbeitsfirmen direkten Zugriff, am JobCenter vorbei, auf die Bewerbungsdaten der Erwerbslosen haben. Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen geben sie Stellenangebote an, die es gar nicht gibt. Genauer, eine Stelle wird doppelt und dreifach angeboten. Dadurch werden k\u00fcnstlich mehr freie Stellen geschaffen, als tats\u00e4chlich vorhanden sind. (Das erinnert mich ein wenig an die Geldsch\u00f6pfung aus dem Nichts; aber das ist ein komplett anderes Thema ;-)). Komischer Weise f\u00e4llt dies den Arbeitsplatzsuchenden bei ihren Recherchen immer wieder auf. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JobCentern hingegen meist nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Um die Erwerbslosen schnell wieder in Arbeit zu bekommen, nutzen die JobCenter ein sogenanntes Matchingsystem. Das bedeutet konkret, das jedwede T\u00e4tigkeit, die ein aktuell Erwerbsloser w\u00e4hrend seiner Erwerbst\u00e4tigkeit nachgekommen ist, f\u00fcr die Jobvermittlung ber\u00fccksichtigt wird. Sie haben als Student im Supermarkt an der Kasse gestanden? <em>Ich freue mich Ihnen mitteilen zu d\u00fcrfen, dass ich eine passende &#8230;<\/em> Noch Fragen?<br \/>\nZuz\u00fcglich werden die Erwerbslosen in Topkunden und den ganzen Rest eingeteilt. Einen Topkunden kennzeichnet:<\/p>\n<ul>\n<li>er ist unter 50<\/li>\n<li>hat Berufserfahrung<\/li>\n<li>ist Akademiker<\/li>\n<li>hat einen F\u00fchrerschein<\/li>\n<li>hat ein eigenes Auto<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Diese werden bevorzugt behandelt. Fehlt das eine oder andere Kriterium, steht man weiter unten auf der Warteliste.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Frau Hannemann fordert eine externe und unabh\u00e4ngige Kontrolleinrichtung f\u00fcr die BA. Diese versorgt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar gerne mit neuen Dienstanweisungen und Zielvorgaben, Bundessozialgerichtsurteile werden jedoch nicht kommuniziert. Zumindest die nicht, die zu Gunsten der Erwerbslosen gef\u00e4llt wurden (was nicht selten der Fall ist). So kommt es nicht selten vor, das die Hilfesuchenden besser informierten sind als das helfende Fachpersonal. Grunds\u00e4tzlich setzt sich Frau Hannemann f\u00fcr die Abschaffung von Hartz IV ein. Sie ist f\u00fcr die Einf\u00fchrung des bedingungslosen Grundeinkommens. Dabei ist sie sich sehr wohl der Finanzierungsproblematik bewusst und h\u00e4lt eine Expertenrunde f\u00fcr notwendig, die sich entsprechend mit diesem Thema befasst. Ob mit oder ohne Grundeinkommen, es m\u00fcssen sinnvolle Ma\u00dfnahmen angeboten werden, die die Menschen auch wirklich in Arbeit bringen und nicht nur die Taschen der Bildungstr\u00e4ger f\u00fcllen. Zum Schluss wies sie noch ausdr\u00fccklich darauf hin, immer nur in Begleitung zu einem Termin im JobCenter zu erscheinen. Au\u00dferdem besteht keine Pflicht seine Telefonnummer bei der Datenerfassung mit anzugeben. Neben dem Namen ist die Anschrift vollkommen ausreichend, wenn es um die Erreichbarkeit geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Nach gut einer Stunde beendete Frau Hannemann ihre Ausf\u00fchrungen. Sie und Rechtsanwalt Jan H\u00e4u\u00dfler stellten sich dann noch einer Diskussions- und Fragestunde zur Verf\u00fcgung, die von Frau Steuer moderiert wurde. Es war ein sehr guter und sehr denkw\u00fcrdiger Abend, der bei allen Beteiligten noch lange nachwirken d\u00fcrfte. Am Ende der zweist\u00fcndigen Veranstaltung stand fest: Nur gemeinsam sind wir stark \u2013 vernetzt euch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer verfolgten teils gebannt, teils fassungslos den Erfahrungen von Frau Hannemann Die Veranstaltung Die Sanktionspraxis des Hartz IV Systems \u2013 Kritik nicht erw\u00fcnscht? war trotz des schw\u00fclen Wetters am Freitag gut besucht. 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