{"id":3606,"date":"2013-04-15T14:29:34","date_gmt":"2013-04-15T12:29:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bg45.de\/?p=3606"},"modified":"2026-02-06T11:44:44","modified_gmt":"2026-02-06T10:44:44","slug":"zwangsraumung-mit-tragischen-ende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bg45.de\/index.php\/3606\/zwangsraumung-mit-tragischen-ende\/","title":{"rendered":"Zwangsr\u00e4umung mit tragischem Ende"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwei Tage nach der vollstreckten Zwangsr\u00e4umung, ist die Berlinerin Rosemarie F. (67) verstorben.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Letzte Woche Dienstag, den 9. April 2013, wurde die Wohnung der schwerbehinderten 67-j\u00e4hrigen Rentnerin endg\u00fcltig zwangsger\u00e4umt. Zuvor wurde eine, f\u00fcr den Februar dieses Jahres geplante R\u00e4umung, vom Berliner Landgericht gestoppt. Das es \u00fcberhaupt zu dieser Entscheidung des Landgerichts kam lag nicht zuletzt daran, das sich rund 200 Menschen mit Rosemarie F. solidarisiert hatten und am Tag der R\u00e4umung gegen diese protestierten. Auch diesmal demonstrierten einige hundert Menschen gegen die R\u00e4umung. Allerdings ohne den erhofften Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Unterst\u00fctzt von 140 Polizisten wechselte die Gerichtsvollzieherin die Schl\u00f6sser der Wohnung von Rosemarie F., die von Stund an obdachlos war. Jedoch nicht ohne Unterst\u00fctzung. So verbrachte Rosemarie F. die erste Nacht, nach der Zwangsr\u00e4umung, bei Aktivisten des&nbsp;<em><strong>B\u00fcndnis Zwangsr\u00e4umungen verhindern<\/strong><\/em>. Das B\u00fcndnis hatte auch die Menschen mobilisiert, die gegen die R\u00e4umung protestiert und beim ersten Mal die Aussetzung der R\u00e4umung erzielt hatten. Ab Mittwoch hatte Frau F.&nbsp;eine kleine Behelfsunterkunft in der W\u00e4rmestube bekommen, die seit drei Jahren von Herrn Zoltan Dominic Grasshoff betrieben wird. F\u00fcr das vergangene Wochenende war ein Umzug in ein gr\u00f6\u00dferes und sonniges Zimmer geplant. Dazu kam es genauso wenig, wie zu der geplanten Untersuchung auf Grund der Herzprobleme von Frau F., die letzten Donnerstag erfolgen sollte. Sie war zu ersch\u00f6pft, um den Termin wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Rosemarie F. wurde am Donnerstagabend tot in ihrem Bett aufgefunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Wie kam es zu dieser Trag\u00f6die? Diese Frage l\u00e4sst sich nicht so einfach beantworten. Auf der einen Seite stehen berechtigte Mietforderungen. Seit einem halben Jahr hatte Rosemarie F. keine Miete mehr gezahlt. Nachdem die 67-j\u00e4hrige den Kontakt zum Sozialamt abgebrochen hatte, stellte dieses die Mietzahlungen an die Rentnerin ein. Der Versuch sich vom Gericht als <em>R\u00e4umungsunf\u00e4hig<\/em> erkl\u00e4ren zu lassen, scheiterte an das daf\u00fcr ben\u00f6tigte Attest eines Facharztes.<br>Auf der anderen Seite steht die Frage, warum Rosemarie F. den Kontakt zu den Beh\u00f6rden abgebrochen hatte? Hilfe muss als Hilfe auch wahrnehmbar sein. Wenn man das Gef\u00fchl bekommt, das man um Almosen betteln muss, verzichtet man lieber auf diese Hilfe. Aber auch Scham oder falscher Stolz f\u00fchren nicht selten dazu, das Menschen Hilfe ablehnen bzw. erst gar nicht in Anspruch nehmen. Und das obwohl es ihr gutes Recht ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Wir werden wohl nicht mehr erfahren, warum Rosemarie F. jegliche weitere Unterst\u00fctzung von Seiten der Beh\u00f6rden abgelehnt hatte. Wir als Hartz4-Empf\u00e4nger k\u00f6nnen uns zwar unseren Reim drauf machen, jedoch bleibt dies letztlich, im hier vorliegenden Fall, Spekulation. Die Frage, die sich mir pers\u00f6nlich stellt, ist eine ganz andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Sind wir, als eines der reichsten L\u00e4nder dieser Erde, nicht in der Lage unseren Rentnerinnen und Rentnern, unabh\u00e4ngig von ihrem Lebensweg, einen w\u00fcrdevollen Lebensabend zu erm\u00f6glichen? Muss ein alter Mensch, in unserer Gesellschaft, noch um sein \u00dcberleben k\u00e4mpfen? In fr\u00fcheren Zeiten hat die Familie f\u00fcr ihre \u201eAlten\u201c gesorgt. In einer modernen Gesellschaft wie der unsrigen, hat die Familie nicht mehr den Stellenwert wie einst (wenn es auch immer wieder Politiker gibt, die diesbez\u00fcglich gerne ein anderes Lied singen). An Stelle der Gro\u00dffamilien ist eben die Gesellschaft getreten. Und ist es nicht die verdammte Pflicht und Schuldigkeit eben dieser Gesellschaft daf\u00fcr zu sorgen, das jeder Mensch, der hier das Rentenalter erreicht hat, auch eine hinreichende, menschenw\u00fcrdige, finanzielle Versorgung erf\u00e4hrt? Und zwar <strong>ohne<\/strong> gro\u00dfen Beh\u00f6rdenhickhack und \u00c4mterwillk\u00fcr? Sind wir in dieser neoliberalen Gesellschaft schon so egomanisch und profitgeil geworden, das uns unsere alten Menschen egal sind? Ist so eine Gesellschaft noch lebenswert und \u00fcberlebenswert? Oder hat sie sich nicht schon l\u00e4ngst \u00fcberlebt? Es ist an uns zu entscheiden, was f\u00fcr uns eine lebenswerte Gesellschaft ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Weitere Stimmen zum Thema finden Sie u.a. im <a title=\"Artikel\" href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/polizei-justiz\/nach-zwangsraeumung-verstorbene-rentnerin-friedliche-mahnwache-fuer-rosemarie-f-\/8056826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> der Zeitung <a title=\"Der Tagesspiegel\" href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der Tagesspiegel<\/a> und auf der Seite <a href=\"https:\/\/www.gegen-hartz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gegen-hartz.de<\/a> unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.gegen-hartz.de\/news\/hartz-iv-mord-in-berlin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Hartz-IV-Mord&#8220; in Berlin<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Tage nach der vollstreckten Zwangsr\u00e4umung, ist die Berlinerin Rosemarie F. 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