{"id":2253,"date":"2012-12-10T21:55:21","date_gmt":"2012-12-10T21:55:21","guid":{"rendered":"http:\/\/bg45.de\/?p=2253"},"modified":"2019-01-04T18:42:19","modified_gmt":"2019-01-04T17:42:19","slug":"ralph-boes-ein-mensch-setzt-sich-zur-wehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bg45.de\/index.php\/2253\/ralph-boes-ein-mensch-setzt-sich-zur-wehr\/","title":{"rendered":"Ralph Boes &#8211; Ein Mensch setzt sich zur Wehr"},"content":{"rendered":"<h3>Seit dem 4. Dezember 2012 d\u00fcrfte der Name Ralph Boes bundesweit eine gewisse Bekanntheit erlangt haben<\/h3>\n<p>Zur vorger\u00fcckter Stunde war er, neben Frau Heidi Ralfs, Frau Gisela Muth, Frau Katja Kipping, Herrn Markus S\u00f6der und Herrn Heinrich Alt, Gast bei Menschen bei Maischberger. Der Auftritt von Herrn Boes d\u00fcrfte die Meinungen derjenigen, die die Sendung verfolgt haben, spalten. Die einem sehen ihn ihm den Sozialschmarotzer schlechthin und damit das personifizierte B\u00f6se. Die anderen einen Menschen, der sich aktiv und \u00f6ffentlich gegen Hartz IV einsetzt und f\u00fcr das bedingungslose Grundeinkommen. Wie kommt es zu der unterschiedlichen Wahrnehmung?<!--more--><\/p>\n<p>Nun, Herr Boes ist Bezieher von Leistung nach ALG II, auch als Hartz IV bekannt. Er nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, die Arbeit zu leisten, die ihm sinnvoll erscheint und jede unsinnige Arbeit abzulehnen. Das erz\u00fcrnt zum Teil erheblich die Gem\u00fcter. Da nimmt doch tats\u00e4chlich jemand, innerhalb unserer neoliberalistischen Gesellschaft, f\u00fcr sich die Artikel\u00a02 &#8211; Freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit, Recht auf Leben, k\u00f6rperliche Unversehrtheit, Freiheit der Person &#8211;\u00a0und Artikel\u00a012 &#8211; Berufsfreiheit &#8211;\u00a0in Anspruch. Und das ohne selber einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Stattdessen liegt er dem Staat auf der Tasche. Andere sehen in ihm einen streitbaren Menschen, der stellvertretend f\u00fcr viele, die von Hartz IV betroffen sind, den Kampf aufnimmt. Der denen eine Stimme gibt, die selber keine (mehr) haben. Doch wie kam es dazu?<\/p>\n<p>Im Jahr 2006 gr\u00fcndet Ralph Boes zusammen mit drei Studenten in Berlin die <a title=\"B\u00fcrgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V.\" href=\"http:\/\/www.buergerinitiative-grundeinkommen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fcrgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V.<\/a> (BbG). Die Idee dazu kam ihm, nachdem er einen Vortrag von Herrn Prof. G\u00f6tz W. Werner zum bedingungslosem Grundeinkommen h\u00f6rte. Herr Prof. G\u00f6tz W. Werner ist Gr\u00fcnder und Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens dm-drogerie markt, dessen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer er 35 Jahre lang war. Dieser sieht in dem bedingungslosen Grundeinkommen ein wirtschaftliches B\u00fcrgerrecht, welches den einzelnen Menschen auf bescheidenen aber tragf\u00e4higen Niveau das Leben sichert. Die daf\u00fcr n\u00f6tige Einkommensh\u00f6he wird jedem Menschen bedingungslos zur Verf\u00fcgung gestellt: Unternimm die Zukunft. Zu der Zeit bezieht Ralph Boes, der vorher als Manager einer Berliner Seniorenresidenz t\u00e4tig war, bereits Hartz IV. Er kennt die Sorgen und N\u00f6te der Menschen, die der Hartzmaschinerie ausgesetzt sind, aus erster Hand. F\u00fcr ihn ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens der Weg in die richtige Richtung. Als einer der Referenten der BbG tr\u00e4gt Ralph Boes diese Vorstellungen all jenen vor, die sich \u00fcber das bedingungslose Grundeinkommen informieren wollen. Dabei folgt er in weiten Teilen den Vorstellungen von Herrn Prof. G\u00f6tz W. Werner. Seine Vortr\u00e4ge h\u00e4lt er ehrenamtlich, da die meisten Menschen und Gruppierungen, die ihn einladen, schon Probleme haben,\u00a0seine Fahrtkosten abzudecken. F\u00fcr ihn ist die Sache wichtiger, als sein pers\u00f6nlicher finanzieller Vorteil. Daf\u00fcr nimmt er auch m\u00f6gliche Scherereien mit seinem JobCenter in Kauf.<\/p>\n<p>Seine pers\u00f6nliche Auseinandersetzung mit dem Thema Hartz IV gipfelt aber nicht allein in seinem Engagement f\u00fcr das bedingungslose Grundeinkommen. Er reibt sich an dem SGB II. Insbesondere der \u00a7 31, in dem die Sanktionen geregelt sind, st\u00f6\u00dft ihm auf. Und sein Gef\u00fchl gibt ihm recht. Einem direkten Vergleich mit dem Grundgesetz h\u00e4lt das SGB II nicht stand. Dies ist die Geburtsstunde seines Kampfes, Hartz IV wieder in das Grundgesetz zu stellen, der mit dem Brandbrief beginnt. Am 24. Juni 2011 wird das Schriftst\u00fcck mit dem Titel <em>Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar! Brandbrief eines entschiedenen B\u00fcrgers<\/em> im Rahmen einer \u00f6ffentlichen Aktion zu den Poststellen des Bundespr\u00e4sidenten, der Bundeskanzlerin und der Arbeitsministerin gebracht. Den Brandbrief selber und alles weitere zu den Aktionen von Ralph Boes findet man auf seiner Seite <a title=\"Grundrechte-Brandbrief\" href=\"http:\/\/www.grundrechte-brandbrief.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grundrechte-Brandbrief<\/a>. Herr Boes setzt seine, im Brandbrief erw\u00e4hnte, Vorgehensweise konsequent um. Er will sich zum Angriffspunkt aller Sanktionen machen, um so den Klageweg nach<br \/>\nKarlsruhe zum Bundesverfassungsgericht einschlagen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Lange Zeit wird er vom Jobcenter ignoriert. Erst nachdem er sich, neben anderen Aktionen, mehrfach selber beim Jobcenter anzeigt und auf seine Regelverst\u00f6\u00dfe aufmerksam macht, kommt es zu einer Sanktion von 30%. Der schlie\u00dfen sich, in kurzer Folge, zwei weitere Sanktionen in gleicher H\u00f6he an. Da Einzelsanktionen addiert werden, wenn sich ihre zeitlichen Abl\u00e4ufe \u00fcberschneiden, wird Herr Boes somit insgesamt mit einer 90%tigen Sanktion belegt. Statt 374,00\u00a0Euro stehen ihm jetzt nur noch 37,40 Euro f\u00fcr einen Monat zur Verf\u00fcgung. Dieses Geld reicht nicht mehr, um sich davon Nahrungsmittel kaufen zu k\u00f6nnen. Zwar k\u00f6nnte er Lebensmittelgutscheine beantragen, doch dies lehnt Ralph Boes kategorisch ab. Zum einem sind Lebensmittelgutscheine eine Kann-Leistung. Es ist also nicht garantiert, das man sie bekommt und man muss jedes Mal, wenn man wieder welche ben\u00f6tigt, um sie im Amt betteln. Dazu muss man ausgerechnet bei der Person vorsprechen, die die Sanktionen verh\u00e4ngt hat und der man deswegen nicht unbedingt das gr\u00f6\u00dfte Vertrauen entgegen bringt. Wenn man dann die Gutscheine hat, muss man mit diesem im Lebensmittelgesch\u00e4ft bezahlen. Sprich, man outet sich gezwungenerma\u00dfen in aller \u00d6ffentlichkeit als Bezieher von Hartz\u00a0IV. Dazu kommt, das diese Gutscheine in den Gesch\u00e4ften nicht gerne gesehen werden, da sich die Jobcenter mit der \u00dcberweisung des Geldes an den Lebensmittelgesch\u00e4ft gerne etwas Zeit lassen. Das Alles ist aus der Sicht von Ralph Boes f\u00fcr die Betroffenen h\u00f6chst stigmatisierend und dem\u00fctigend, weswegen diese Lebensmittelgutscheine f\u00fcr ihn nicht in Frage kommen.<\/p>\n<p>Konsequent, wie er ist, setzt er sich den sich daraus ergebenen Folgen aus. Er hungert. Wohlgemerkt, der Sanktionshunger<br \/>\n(wie Ralph Boes es nennt) ist kein Hungerstreik. Bei einem Hungerstreik h\u00e4tte man eigentlich genug zu essen.<br \/>\nMan verweigert nur die Nahrungsaufnahme, um damit irgendein Anliegen durchzusetzen. Ralph Boes hungert, weil er sich schlicht und einfach nichts zu essen kaufen kann. Dies tut er \u00f6ffentlich. Nach relativ kurzer Zeit werden die verschiedensten Zeitungen auf\u00a0 ihn aufmerksam und berichten, mit unterschiedlichem Tenor, \u00fcber sein Sanktionshungern. Die mediale Aufmerksamkeit gipfelt in der eingangs erw\u00e4hnten Sendung von Frau Maischberger. Zu dem Zeitpunkt sind bereits zwei der drei Sanktionen, wegen Formfehler, wieder aufgehoben.<br \/>\nRalph Boes isst wieder. Aber sein Kampf geht weiter. Wie er selber sagt: &#8222;Es wird h\u00f6chst spannend.&#8220;<\/p>\n<p>VK<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 4. Dezember 2012 d\u00fcrfte der Name Ralph Boes bundesweit eine gewisse Bekanntheit erlangt haben Zur vorger\u00fcckter Stunde war er, neben Frau Heidi Ralfs, Frau Gisela Muth, Frau Katja Kipping, Herrn Markus S\u00f6der und Herrn Heinrich Alt, Gast bei Menschen bei Maischberger. 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